Sehenswürdigkeiten
Altlandsberg Hoppegarten Neuenhagen bei Berlin
Wir laden Sie herzlich ein, die Märkische S5-Region unmittelbar vor den Toren Berlins zu besuchen. Wer schöne, historisch interessante Orte umgeben von reizvoller Natur für einen abwechslungsreichen Ausflug mit "Kind und Kegel" sucht oder ein erholsames Wochenende verbringen möchte, ist hier genau richtig. Unsere Region entlang der S-Bahn-Linie 5 - zwischen Hoppegarten, Neuenhagen, Altlandsberg, Fredersdorf-Vogelsdorf, Petershagen/Eggersdorf, Strausberg und Rüdersdorf - hat Einiges zu bieten: eine idyllisch seenreiche Landschaft, historische Entdeckungen, beste Bedingungen zum Erholen durch Bewegung, einladende Gastlichkeit und kulturelle Attraktionen. Sie ist im wahrsten Sinne eine Erlebnislandschaft, die von Ihnen erobert werden möchte.
Fredersdorf-Vogelsdorf

Petershagen/Eggersdorf Rüdersdorf bei Berlin Strausberg
Altlandberg
Gleich, ob aus der benachbarten Hauptstadt über die langgestreckte Landsberger Allee und das alte Dorf Hönow, ob von der Autobahn-Abfahrt
Marzahn, ob aus dem Neuenhagen-Hoppegartener Ballungsraum entlang der Ostbahn, man erreicht mit Auto, Fahrrad oder Linienbus die kleine Stadt dort, wo alle Wege die Fließ-Niederung überqueren, an der Brücke der ehemaligen Berliner Mühle.
Von der in die Anfänge der Stadt zurückreichenden Mühlenanlage sind nur noch das Gefälle, Haus und Gehöft des letzten Müllers sowie der wilde Erlengrund, einst ein angestauter Mühlenteich, verblieben.
Zur linken grüßen die Ankommenden die erneuerten Bauten des "Alten Schützenhauses". Es war in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts beliebtes Ausflugslokal der überwiegend innerhalb der Mauer ansässigen Altlandsberger, mit Tanzgarten, Gondelteich und 2 Schießständen, damals fernab der Stadt.
Heute haben hier die Landfarm, einer der Landwirtschaftsbetriebe der Stadt, verbunden mit einem Hotelbetrieb und einer Gaststätte ihren Sitz. Vor dem Parkplatz versteckt, führt ein reizvoller Wanderweg hinter der 1970/80 entstandenen Plattenbau-Siedlung "Straße des Friedens", dem städtischen Kindergarten und der 2004 fertiggestellten hochmodernen Seniorenresidenz zur Westseite der Stadt, am Erlengrund entlang. Vorbei an der neu errichteten Sport- und Festhalle, der "Erlengrundhalle ", geben Wiesengründe, Brachen und bewachsene Gärten streckenweise die Sicht auf das Vorstadtzentrum rund um das Rathaus und auf die von der Mauer umsäumte Altstadt frei. In der Abendsonne ist dies ein Anblick, von dem man sich nicht trennen möchte.
Doch wir bewegen uns von der Brücke über das Mühlenfließ weiter auf der asphaltierten, von stilvollen Laternen flankierten Zufahrtsstraße, vorbei an den 1993 errichteten "Brunnenpassagen ", dem Einkaufszentrum der Stadt, vorbei an den Beton- und Ruinenflächen des einstigen LPG-Getreidelagers mit dem standhaften Schornstein eines längst vergessenen Sägewerkes, vorbei am einstigen Bierlager der Patzenhofer Brauerei, dessen Bierkutschenstallungen jetzt zum Fahrradhof wurden.
Zur linken erscheinen altprächtige Villen hinter den ehemaligen Stallgebäuden einer "Fuhrmanns Einkehr", welche noch aus der Zeit stammen, als die Ferntransporte nur mit Pferd und Wagen rollten.
Auf dem aufgeschütteten Wiesengrund zur rechten befand sich bis Mitte der Neunziger der Platz der Kultur mit Bühne und Versorgungs-Bungalows, einst Standort traditioneller Bauernmärkte.
Er hat sich nun zum Vorfeld eines modernen Verbrauchermarktes gewandelt, der sich nun auf dem 4 Jahrzehnte vergessenen Bahnsteig der Kleinbahnstation Amtsgericht/Vorstadt erhebt.
Der Blickfang zu linken, die grüne Dampfspeicher-Lokomotive vor brauner Backsteinmauer und das monumentale Gebäude dort mit der dunkelgrünen Zierfassade haben nichts mit der Kleinbahn zu tun. Diese auffälligenWohn- und Geschäftsausbauten eines Unternehmens für Tief- und Bahnbau ersetzten in den neunziger Jahren das verfallene städtische Kino und gestalteten das Gebäude des ehemaligen Hotels " Friedrichslust" neu.
Dies war ab 1960 Kulturhaus der Stadt und mit seinem überdimensionalen Festsaal von 1905 bis 1990 Zentrum ihres vielfältigen kulturellen, sportlichen und politischen Lebens.
Zur rechten erhebt sich denkmalgeschützt das heutige Rathaus. Es wurde als Amtsgericht mit Gefängnistrakt im Neorenaissance-Stil auf dem "Knödelberg" errichtetet und 1913 eröffnet. Bis 1956 repräsentierte es die seit alter Zeit weitgehend eigenständige Gerichtsbarkeit der Stadt. Noch heute verleiht dieses erhabene Baudenkmal dem Bürger weit mehr erwartungsvolle Ehrfurcht vor den Ämtern, Verwaltungen und Praxen, die es seither beherbergt, als es anderswo ein Rathaus vermag. Es war und ist Zentrum der dort in der Kaiserzeit zwischen Bahnstation und
Wallgraben entstandenen "Neustadt". Dort "An der Promenade" und gegenüber dem dort schon 1824 angelegten Friedhof entstanden zahlreiche Villen, ein Elektrizitätswerk, das Krankenhaus, das kaiserliche Postamt, ein Zeitungsverlag mit Druckerei und großzügige Parkanlagen.
Durch die breite Berliner Allee mit ihren Vorgärten führen uns Fuß-, Radwege oder die 1997 asphaltierte Fahrbahn bergan bis uns der vorzeitlich eckige Berliner Torturm, die Einengung der Brücke über die Wallgrabenschlucht und das abrupte Trommeln der Fahrzeuge auf dem Granitpflaster deutlich machen: hier beginnt das "alte"Altlandsberg.
Angeregt durch die Hinweistafeln des Lehrpfads Stadtmauer möchte mancher mehr erfahren und entschließt sich zum Rundgang längs der von der Vielfalt der Jahrhunderte geformten Stadtmauer.
Freunde des Pflasterbummels wandeln die langgestreckte Berliner Straße vorbei an den Bürgerhäusern 19. Jahrhunderts zum Markt, schauen in einige der heute bewohnten, einst durch Stallungen geprägten Ackerbürgergehöfte und kommen auf direktem Wege bei der feldsteinwuchtigen, dreischiffigen Stadtkirche an, dem mit über 750 Jahren ältesten erhaltenen Bauwerk der Stadt.
Wir wollen uns jedoch zunächst auf den Spuren der mittelalterlichen Stadtgeschichte bewegen und über den östlichen Mauerring, das Strausberger Tor, das Burg- und Schlossgelände, die Stadtkirche erreichen.
Zuvor empfiehlt es sich, einen Blick in den Garten des Hospitals neben dem Turm zu werfen, wo wiederentdeckte Gebäudereste aus der Zeit der Stadtentstehung die Fantasien über die Anfänge von Landsberg beflügeln. In dem mit dem Torturm verwachsenen roten Backsteinbau hat der Heimatverein Altlandsberg e.V. jetzt sein Domizil. Das Haus repräsentiert noch den von der Reformierten Schlosskirchengemeinde bewahrten Nachlass der 1679 begründeten "Schwerin´schen Stiftungen" und gibt mit den dort entstehenden Sammlungen und Ausstellungstafeln einen Einblick zum Wirken des Adelsherrn der Stadt, Otto von Schwerin, sowie zur Verkehrs-, Gewerbe- und Kultur-Entwicklung, zu Brauchtum und Bürgerleben und nicht zuletzt zur Geschichte der Stadtmauer.
Die Gestaltung von Haus, Garten, von Sammlungen und Ausstellungen in den umgestalteten Altenwohnungen früherer "Hospitalisten" und auf dem geräumigen Dachboden, die Freilegung und Kennzeichnung historisch bedeutsamer Mauerteile und die Absicherung des Turminneren sind Ergebnisse der über sechsjährigen Arbeit des Heimatvereins in Vorbereitung eines hier entstehenden Heimatmuseums.
Für sportliche Besucher ist der Turm auf Anfrage zu ersteigen. Er bietet einen interessanten Rundblick über die südliche Altstadt, über Stadtmauer und Wallgraben.
Von der Ruhebank vor dem Turm folgen wir dem schmalen Weg zwischen Wall und Mauer, entlang der keilförmig vertieften, mit hohem Grün
bewachsenen Schlucht. Die ersten 25 Meter der Mauer mit ihren vorstehenden Kanten, ihren Quadern und Ecksteinen verraten uns die Mächtigkeit eines vorzeitlichen Steinhauses und die Höhe des Hügels, auf dem es sich lange vor Errichtung der Mauer einst erhob. Wir vermuten in ihm ein Relikt der wettinischen Besiedlung bevor unter den Askaniern ab 1240 die Stadt weiter ausgebaut wurde. Die dort angesetzte, einst 16 Fuß hohe und in 5 ca. einen Meter hohen Steinschichten die ganze Stadt umschließende Feldsteinmauer entstand nach 1300 bis 1350.
Der Mauerhang längs unseres Weges wird nun immer steiler, und oberhalb der ersten Steintreppe erkennt man noch die Fundamentreste eines
urkundlich belegten, einst den Hang beherrschenden, halbrunden Turmvorbaus. Der daneben ab der Mitte des 19. Jahrhunderts mehrfach erneuerte und mit einer Pforte versehene Mauerbereich lässt uns verstehen, wie labil der Hang doch wurde, nachdem dort um 1670 die Wallgrabenmulde um den Wiesengrund zur Schaffung eines durchflossenen Gondelgrabens zum BerlinerTor vertieft worden war.
Von dem zweiten Turmvorbau, der an der Südostecke der Mauer diese beim Bau der Stadtbefestigung durchbrochene Landverbindung flankierte, sind noch beide Fundamentansätze und die Innenkanten erhalten. Auch dort führt eine steinerne Treppe hinauf. Im Schatten der riesigen Wurzellinde hat man von dort einen Blick auf den auslaufenden großen Stadtwall, an dessen Fuß sich bis zum 30-jährigen Krieg die Walkmühle der Altlandsberger Tuchmacher, die Dieckmühle, befand. Sie nutzte einst den Stau des Stadtgrabens, von dem heute nur ein Rinnsal verblieben ist. Unter den 300 Jahre alten Eichen und Linden laden Findlinge und Holzbohlen zur Rast ein. Hier hat die Mauer auf über 100 Metern noch ihre ursprüngliche Gestalt. Mit einer erhabenen Höhe von bis zu 4 Metern umschließt sie das ehemalige Klostergebäude, von dem außer dem Straßennamen, der Gründungsurkunde und anderen Dokumenten, lediglich einige Spuren an der inneren Mauer und der noch genutzte Brunnen verblieben. Sie befinden sich jetzt auf Privatgelände.
Hier am Südrande der Stadt siedelte einst der Wittelsbacher Markgraf Ludwig der Ältere Marienknechte des Serviten-Ordens an, um für die Zeiten des päpstlichen Banns den Fortgang des normalen Bürgerlebens in der Stadt zu gewährleisten. Mit der Reformation wurde das Kloster 1540 aufgelöst, das Gelände später privatisiert.
Ein Blick durch die Mauerpforte zur Hirtengasse vermittelt einen Eindruck vom einstmals freien Vorfeld der inneren Mauer und von der Breite des sich hier anschließenden, mittelalterlichen Vieh- und Bauernmarktes, der Klosterstraße. Diese ist heute durch den weiträumigen Komplex der Stadtschule rund um das 1872 erbaute dreistöckige Schulgebäude, durch Bürgerhäuser des 19. Jahrhunderts und einige über 300 Jahre alte, überputzte Fachwerkhäuser geprägt.
Wir folgen jedoch dem Wanderpfad am Fuße der Mauer und erkennen die Vielfalt der Feldsteintechniken mit der sie hier in den letzten 3 Jahrhunderten abschnittsweise repariert und erneuert wurde. Die Pforten zu den Mauergärten der Bürger wurden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegt, nachdem die Schutz- und Zollmauer, endgültig zur "Bürgermauer" geworden war. Kurz vor dem Storchenturm endet ihr Verlauf zu dem einst an der östlichen Turmkante anschließenden Stadttor, das nach 1820 einer zwar engen, aber freien Zufahrt zur Stadt weichen musste. Das Tor war über Jahrhunderte einziger Zugang zu den Feldern der Ackerbürger und ihrer Heide, dem heute wieder zur Stadt gehörenden Stadtforst. In Anlehnung an die schon im Mittelalter praktizierte Funktion des Torturms als Gefängnisturm entstand der Anbau der Landjägerstation mit Häftlingsquartier. Dieser wurde später als Wohnraum genutzt und dient jetzt dem Verein für Kultur und Modellbau als Treff und für Ausstellungen. Schon 1829 war ein weiteres Stück Mauer dem Bau eines Armenhauses und eines Feuerwehr-Gerätehauses gewichen. Sie präsentieren in Ausstattung und Gemäuer, nunmehr als Gaststätte "Armenhaus", ihre historische Herkunft und sind beliebter Ausgangspunkt für Stadtwanderungen.
Wer von hier schnell den nördlichen, den ältesten Teil der Stadt nahe dem längst verschwundenen Bernauer Tor erreichen möchte, der nutze den letzten verbliebenen schmalen Wehrgang hinter dem Armenhaus hinauf zur Stadt. Die Störche, die seit 1897 auf der mit einem Wagenrad versehenen Spitze des Torturms nisten und mit diesen zum Wahrzeichen der Stadt wurden, dürfen von oben den Blick über den einst der polizeilichen Sicherheit dienenden Vorplatz des Tores auf die in ihrer kultivierten Ursprünglichkeit über Jahrhunderte weitgehend erhaltene Wiesen- und Auenlandschaft um die Stadt genießen.
Uns ist das von hier nicht möglich, denn wir möchten sie nicht stören. Längs der mehrfach von Pforten durchbrochenen und auf ca. 3 Meter Höhe zurückgestutzten, sonst aber original mittelalterlichen Mauer wandeln wir weiter auf den schattigen Wegen der Stadtumgehung zur Schloss- und Domänen-Siedlung, der Gemeinde Amtsfreiheit, die erst 1928 mit der Stadt vereinigt wurde. Am Amtswinkel kreuzen wir die Buchholzer Allee und erreichen die beiden übergroßen Säulen des früheren Schlosstores, durch das einst das Gefolge der Freiherren vom Schlosshof über die breite Allee der heutigen Liebknechtstraße hinaus auf die Felder und Weiden der Herrschaft gelangte.
Das mitunter irrtümlich als Schloss titulierte rote Backsteingebäude zur linken, das um1880 als Gutshaus erbaut wurde, erstrahlt mit seinen stilvollen Giebeln und dem Türmchen nach wechselvoller Nachkriegs- und LPGGeschichte, nunmehr total saniert, als das neue Soziokulturelle Zentrum der Stadt. Das jetzt wieder wie einst von einer Backsteinmauer umgebene Terrain der angrenzenden Schlossgärten ist nunmehr als Veranstaltungspark und Besucher neu gestaltet. Von hier aus kann man, vorbei an Rest-Ruinen, jetzt wieder hindurchblicken auf den noch überwachsenen und zweckentfremdeten Schlosspark, der ab 1660 als einer der ersten barocken Parks in der Mark Brandenburg angelegt wurde. Auch seine Sanierung wird jetzt in Angriff genommen.
Doch wo ist das immer wieder erwähnte Schloss zu finden? Die vor dem Gutshaus gelegene, eingezäunte und von Einsturz und Bewuchs geprägte Kellerruine kann uns dazu einiges verraten. Dort errichtete 1658 der Freiherr Otto von Schwerin, Oberpräsident des Geheimen Rates und damit erster Staatsmann des "Großen Kurfürsten" , nach Abriss vorab gewesener, feldsteinerner Burg- und Schloss-Bauten der Markgrafen und der Ritter von Krummensee, seinen Herrschaftssitz. Die mittlere Gewölbestütze mit der Inschrift des Meisters < Michael Bitner MM 1659 > befindet sich jetzt im Hospitalgarten am Berliner Tor. Über diesem Gewölbe erhob sich einst der Nordflügel mit den Wohnräumen des Freiherren. Mit der Ankunft der Kurprinzen, die hier beim Freiherrn und in der Reformierten Gemeinde ihre Jugend verbrachten und ihre Erziehung erhielten, wurde der Schlossbau in Etappen zu jenem als prachtvoll überlieferten großen "Hufeisen" erweitert, das 1673 durch zwei Turmbauten für die Schlosskirche und Festsäle nach Westen abgeschlossen wurde. Die Schlosskirche, heute eine bedeutende Kunstglaserei, ist baulich längst nicht mehr dieselbe wie einst. Sie steht aber auf der gleichen Stelle. Drei Sandsteinportale des verschwundenen Schlosses finden wir in ihrer Fassade wieder, eines mit Initialen derer von Schwerin und eines mit dem Urtyp des gekrönten preußischen Adlers, denn in diesem Schloss hatte Friedrich I., König von Preußen kurze Zeit seinen Sommersitz. Nachdem der König in schwärmerischer Erinnerung seiner hier verlebten Jugendzeit das Schloss und die Baronie Altlandsberg 1708 vom Schwerin`schen Enkel erstanden und zur Luxusresidenz mit eigener Herrschaft ausgebaut hatte, verabschiedete sich 1713, nach dem Tode Friedrichs, sein Sohn Friedrich Wilhelm, der Soldatenkönig, vom Luxus vieler Schlösser. Der Prachtbau wurde stillgelegt, die kostbare Ausstattung aus Schloss und Lustgarten nach Charlottenburg überführt, das Haus für Übungen der Garnison genutzt, entleert und vernagelt, bis es 1757 bei der Nutzung für eine Hochzeitsfeier des Verwalters bis auf die Grundmauern niederbrannte. Aus den Abbruchsteinen wurden u.a. die Artillerie-Kaserne in Berlin und der heutige Schlosskirchenbau errichtet. Der vom Freiherren und den ausschließlich kalvinistischen Ansiedlern und Untertanen gegründeten Evangelisch- Reformierten Schlosskirchengemeinde Altlandsberg verblieb der Anspruch gegenüber dem preußischen Staat auf ihr Gotteshaus im Schlossbereich und so stehen in Altlandsberg zwei Kirchbauten direkt nebeneinander. Das geschah aber auch nur deshalb, weil die Stadtkirche im 13. Jahrhundert am Stadtrand, am damaligen Siedlungskern direkt neben der wettinischen Burg errichtet wurde. Die Burg blieb außerhalb des durch Wälle, Palisaden und die spätere Stadtmauer markierten Stadtrechtsgebietes und wurde zum Standort aller nachfolgenden Schloss- und Domänenbauten. Die nachweislich um 1250 errichtete Feldsteinbasilika muss dort einen Vorgängerbau und viel freien Raum gehabt haben, denn sonst stände sie am Marktplatz der nach Süden anschließenden Stadtentwicklung, an der heutigen Poststraße. Der Kirchplatz war deshalb wahrscheinlich zuerst Markt des Burgfleckens, dann über Jahrhunderte Bürgerfriedhof und ist seit 150 Jahren innerstädtisch-kirchlicher Bürgerpark.
Wir schreiten auf der Berliner Straße zügig voran, vorbei an den Bürgerhaus-Fassaden des 19. Jahrhunderts und finden daran unterschiedlichste
Bauzustände wieder. Sie belegen die jahrelangen Wiederherstellungsbemühungen im vor 15 Jahren noch weitgehend vom Verfall bedrohten
Stadtkerns. An einigen der Türen und Toreinfahrten sind bemerkenswerte bauzeitliche Details zu entdecken, einige Tore stehen offen und gestatten einen scheuen Blick in die urtümlich gepflasterten Gehöfte der Bürgerstellen mit jetzt als Wohnräume ausgebauten Stallungen und Böden, sowie einen Blick in die Hof- und Mauergärten, in die bauzeitlich gestalteten Durchgänge. Die rechts abbiegende Poststraße erweitert sich nach wenigen Schritten zu einem von Gaststätten und Geschäften umgebenden breiten Platz. Bis ins 18. Jahrhundert war dies der alte Marktplatz. Die beiden Bürgerhäuser, die ihn im Norden und Nordwesten begrenzen, dienten in der Zeit von 1809 bis 1956 als Rathäuser. In der jetzigen Apotheke befand sich bis 1938 der Synagogenraum der Jüdischen Gemeinde Altlandsberg.
Der heutige Markt, ein von hohen Bäumen umstandener und jetzt erstmals gepflasterter Platz inmitten eines Straßen-Vierecks, entstand
auf den Trümmern der Verwüstungen und Brände des 17. Jahrhunderts als Stadtpark und Marktfläche. Nachdem diese geräumige Fläche im letzten Jahrhundert für die Region Standort vieler, politisch gegensätzlicher Manifestationen war, nach 1933 in "Platz der SA" und nach 1945 in "Platz der Freiheit" umbenannt wurde, war er seither als Begräbnisstätte und Ehrenhain der hier gefallenen Sowjetsoldaten eingezäunt und dem städtischen Leben entzogen. Seit 1992 ist er wieder unser Markt. Statt früherer Monumente erinnern an dieser Stätte jetzt Tafeln zu ebener Erde an die unheilvolle Vergangenheit und ihre dort ruhenden Opfer. Heute belebt dort wieder geschäftiges und festliches Treiben die Stadt, begleitet vom Plätschern des von Johannes Niedlich mit Tier-Reliefs
gestalteten Marktbrunnens. Von alledem unberührt blieb das zum 75. Jubiläum des Männerturnvereins MTV 1860 zu Ehren des Turnvaters Jahn von Sportlern der Region gestiftete Sportlerdenkmal.

Die roten Tore des Feuerwehrdepots weisen uns den Weg durch die sich verengende Kirchstraße zu der 2004 enthüllten Gedenk-Skulptur für die Ackerbürger der Stadt und ihre lange Geschichte, die wie ein in Bronze gegossenes Bilderbuch zur nachhaltigen Betrachtung anregt.
Noch wenige Schritte durch die malerische Gasse und wir treten durch das eichene Portal des von 3 Meter dicken Mauern getragenen Turmbaus in das von breiten Eckpfeilern getragene, mit einem Kreuzgewölbe abschließende Mittelschiff der Stadtkirche ein. Die schmucklos überputzten, anierungsbedürftigen Wände zeigen an mehreren Stellen freigelegte Bildreste aus der Zeit der Großen Umgestaltung Anfang des 16.
Jahrhunderts. Damals erfolgte die Einwölbung, die Turmaufstockung mit den Glockenfenstern und die Vollüberdachung der einst abgestuften Basilika. Der Taufstein, die freigelegten Reste der Wandbemalung aus dieser Zeit, die Ende des 16. Jahrhunderts einzuordnende Kanzel sowie die Grabplatte des lutherischen Reformators Nikolaus Leutinger sind von der verbliebenen Innenausstattung am bemerkenswertesten. In den unter den mehrfach ausgebesserten Fußböden im ungewissen Zustand befindlichen Grüften ruhen die sterblichen Überreste einstiger Kirchenpatrone und Adelsherren der Stadt, Joachim von Krummensee und Otto von Schwerin mit Familien. Das vielfältige Ab-, An- und Umbaugeschehen, das den Kirchbau über Jahrhunderte gestaltete, ist an den Außenmauern rundherum und an den Turmerhöhungen noch deutlich ablesbar. Beim Aufstieg auf den kürzlich komplett sanierten und damit neu erschlossenen Kirchturm kann man die Urtümlichkeit mittelalterlicher Feldstein-, Gewölbe- und Turmbautechnik in vielen Details bewundern. Dies wird durch Ausstellungsmaterial ergänzt. Vom Balkengestühl der beiden mittelalterlichen Glocken hat man durch die nun wieder zur alten Größe verlängerten drei Glockenfenster einen unvergesslichen Rundblick über die bunten Dächer der Stadt und die weite, vom Grün geprägte Umgebung, hin bis zu Bauten Berlins und naher Orte, soweit unser üppiger Baumwuchs sie nicht verdeckt. Und wer noch höher und steiler hinaufsteigt, der kann in dem 1726 aufgestockten Teil des Turmes das rekonstruierte, klassische Turmuhrwerk bewundern und von dort über das erneuerte, ehemalige Schlossareal den Blick nach Norden in die Barnimer Feldmark hin bis zu den entferntesten Windkraftmasten schweifen lassen.